Kräherfest 2026

Wenn der Hahn kräht – Kräherfest des RGZV Norden mit tierischem Wettstreit

Beim diesjährigen Kräherfest des RGZV Norden am letzten Sonntag wurde wieder einer alten Tradition gefrönt: dem Krähwettbewerb. Dabei geht es nicht etwa darum, welcher Hahn die schönste Stimme hat – entscheidend ist allein die Ausdauer. Genau 20 Minuten lang wurde gezählt, wie oft die Hähne ihren charakteristischen „Kikeriki“-Ruf ertönen ließen.

Insgesamt 20 Mitglieder mit ihren 14 Hähnen traten in zwei Kategorien gegeneinander an: große Hühner und Zwerghühner. Das Ergebnis fiel dabei überraschend ruhig aus: Von den 14 Teilnehmern ließen gerade einmal fünf Hähne überhaupt etwas von sich hören. Neun Hähne entschieden sich dagegen, die Veranstaltung eher schweigend zu genießen.

Dabei hat das Krähen von Hähnen durchaus eine lange Tradition. Krähwettbewerbe gibt es in verschiedenen Regionen Europas und insbesondere im deutschsprachigen Raum bereits seit über 100 Jahren. Früher war man der Meinung, dass ein Hahn, der besonders oft kräht, außergewöhnlich gesund und kräftig ist. Daher waren Hähne, die besonders oft und laut gekräht haben, geeignete Zuchttiere für das nächste Jahr. Man wollte also mit einem lauten Hahn beweisen, wie gut die eigene Zucht ist. Gewinner ist, welcher Hahn innerhalb einer festgelegten Zeit am häufigsten kräht.

Besonders ist bei diesen Wettbewerben, dass die Hähne beim Wettkrähen besonders oft krähen. Doch warum sind die Herren der Hühnerschar ausgerechnet im Wettbewerb so gesprächig – während sie im normalen Alltag offenbar deutlich weniger Mitteilungsbedürfnis haben?

Der Vorsitzende des RGZV Norden, Dieter Becker, hat dafür eine einfache Erklärung: „Wenn die Hähne nebeneinander in ihren Käfigen sitzen, können sie sich gegenseitig hören und sehen. Und dann geht es natürlich um die Ehre. Keiner will sich vom Nachbarn übertrumpfen lassen. Da wird gekräht, was die Stimmbänder hergeben. Zu Hause haben sie schließlich niemanden, mit dem sie sich messen können.“

Ganz nach dem Motto: Einer kräht – und alle müssen antworten. Zumindest bei einigen Hähnen scheint dieses Prinzip allerdings nicht zu funktionieren. Neun Teilnehmer blieben während der gesamten 20 Minuten stumm. Ob aus Schüchternheit oder schlicht aus mangelndem Ehrgeiz, blieb ihr wohlgehütetes Geheimnis.

Insgesamt brachten es die 14 Hähne auf 125 Krährufe in 20 Minuten. Besonders erfolgreich war bei den großen Hühnern der New Hampshire Hahn von Michael Feeken, der sich den Sieg in dieser Kategorie sichern konnte.

Bei den Zwerghühnern ging der Sieg an einen besonders jungen Teilnehmer: Der erst 8 Jahre alte Erik Hintz konnte mit seinem Chabo-Hahn den ersten Platz erringen.

Doch bei einem Kräherfest gehört natürlich auch der letzte Platz fest zur Tradition. Für den Besitzer des ruhigsten Hahns gibt es traditionell ein Glas saure Gurken – ein kleiner Trost für all diejenigen, deren Hahn lieber schwieg, statt sich stimmlich ins Zeug zu legen.

In diesem Jahr wurde es allerdings etwas kompliziert: Gleich neun Hähne hatten überhaupt keinen Krähruf zu bieten. Einen letzten Platz gab es also quasi im Überfluss. Deshalb mussten die Trostpreise kurzerhand ausgelost werden. Das Losglück war schließlich auf der Seite von Roswitha Becker und Torsten Hintz, die jeweils ein Glas saure Gurken mit nach Hause nehmen durften.

Nach dem spannenden Wettbewerb wurde traditionell gegrillt. Dank der zahlreichen Salatspenden war für jeden das passende dabei.

Am Ende waren sich vermutlich alle einig: Mit 14 Hähnen, 125 Krährufen und gemeinsame Zeit war der diesjährige Krähwettbewerb wieder ein toller Start in die neue Ausstellungssaison.